Der Weg dorthin ist so individuell verschieden wie die Lebensgeschichten von Menschen einzigartig sind. Jeder von uns hat sich auf unterschiedliche Weise von seiner Lebensquelle entfernt, entsprechend dem, wie er auf diese Welt gekommen ist, in welche Familie und Kultur er geboren wurde und welche Erlebnisse ihn in seinem Leben geprägt haben.
Als Kind sind wir alle uneingeschränkt lebendig und unmittelbar verbunden mit unserer natürlichen Kraft. Doch schon mit der Schwangerschaft beginnt ein Prozess, in dem wir uns von dem, was wir eigentlich sind nach und nach entfernen. Wir lernen, in der Welt zu sein. Dieses Lernen geschieht zu Beginn ausschließlich durch die Erfahrungen, die wir mit den Menschen machen, die uns am nächsten sind: unsere Eltern und deren Familientradition und Kultur. So legen sich nach und nach die Schleier der Erziehung und gesellschaftlicher Anpassung über uns und wir vergessen, dass wir ursprünglich reine Lebensfreude sind. Vor allem aber sind es die Erlebnisse, in denen wir Gewalt, Verlust, Missbrauch, Unglück, Ablehnung oder Bedrohung erfuhren, die die Art und Weise bestimmen, wie wir die Welt und uns selber wahrnehmen und wie wir unser Leben gestalten. Wir schreiben unser „Lebensdrehbuch“ auf der Grundlage vergangener Erfahrung und gehen davon aus, dass die Zukunft so wird, wie es uns die Vergangenheit gelehrt hat. Dieses folgenreiche Missverständnis führt dazu, dass wir uns Verhaltenmuster angewöhnen, mit denen wir glauben, die vermeintlich bedrohliche Zukunft im Griff haben zu können. Quälende emotional-seelische Reaktionen wie Angst, Wut, Trauer oder psychosomatische Symptome, dramatische Schicksalsschläge sowie Krankheiten sind in der Regel Ausdruck unserer Überlebensstrategien.
Um uns wieder mit unserer ursprünglichen Lebenskraft zu verbinden, müssen wir uns durch das Dickicht unser Lebenskonzepte und erlernter Verhaltensmuster an den inneren Ort unserer Lebensquelle begeben. Hier sind wir das geblieben, was wir von Beginn unser Menschwerdung an waren. Dies zu erfahren, bedeutet Heilung und Befähigung zu einem spontanen und glücklichen Leben.
Gestalttherapie – Transformation und Neugeburt
Gestalttherapie ist ein effektiver Weg, durch die Schichten der Konditionierung zu dem zu gelangen, was wir sind. Dabei ist der Fokus auf den gegenwärtigen Moment gerichtet. Vergangene Erlebnis werden nicht als Geschichte betrachtet, sondern darauf hin untersucht, ob sie eine Relevanz für das Erleben im Hier und Jetzt haben. Durch bestimmte Methoden der Kommunikation und der Vergegenwärtigung wird das lebendige Potenzial vergangener Geschehnisse für die aktuelle Lebenssituation betrachtet und integriert. Innerhalb dieses Integrationsprozesses findet eine Transformation statt, in der jahrelang zurückgehaltene oder verzerrt gelebte Energie befreit wird, so dass sie für die Kreation eines neuen Lebens zur Verfügung steht. Dieses Geschehen gleicht oft einem Geburtsprozess oder einem künstlerischen Schaffen. Das, was sich schließlich in der sichtbaren Welt manifestiert, ist neu, d. h. es war nicht absehbar, planbar oder durch mentale Anstrengung hervorzubringen. Das Neue gestaltet sich von selbst und ist weitaus vollkommener als alles selbst Erdachte.
Schwerpunkte der Fortbildung
1. Selbsterfahrung
Menschen, die andere professionell in diesem Prozess begleiten wollen, müssen innere Kenntnisse hinsichtlich der Dynamik, der Phasen und des Ablaufs dieses transformativen Bewusstseinsprozesses gewonnen haben. Diese Kenntnisse können nicht theoretisch vermittelt werden. Sie entspringen aus der persönlichen Erfahrung im Laufe einer intensiven Schulung und Ausbildung. In der Fortbildung steht daher der Erfahrungsprozess des Einzelnen im Vordergrund. Nur wer sich selber in seiner ursprünglichen Natur erkannt hat, kann andere ermutigen und begleiten, ihren eigenen Weg zu gehen.
Dabei hat der Erfahrungsprozess in der Gruppe einen besonderen Stellenwert. Übungen in der Gruppe, der gemeinsame Austausch (Sharing), gegenseitiges Feedback und die Möglichkeit sich direkt in der Begegnung mit anderen zu erleben tragen dazu bei, dass ein liebevoller Raum entstehen kann, in dem der Einzelne an seinen Grenzen herausgefordert wird und den Bereich seiner Freiheit erweitern kann.
Das Fortbildungskonzept beinhaltet neben der Erfahrung in der Gruppe auch ein Maß an lehrtherapeutischen Einzelsitzungen bei dafür anerkannten Lehrtherapeuten. Die Anzahl der Einzelsitzungen wird im Gespräch festgelegt.
2. Theorie und Reflexion
Für die therapeutische und beratende Arbeit ist es notwendig, die gesammelte Erfahrung reflektieren und kommunizieren zu können. Ein Therapeut muss wissen, was er tut oder nicht tut. Die Vermittlung von Theorie steht im Dienst der Reflektion von Bewusstseinsprozessen. Das Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer in der Fortbildung ein schlüssiges und praktikables Modell des menschlichen Bewusstseins, seiner Abläufe und seines Veränderungspotenzial bekommt. Dazu werden neben der ausführlichen Auseinandersetzung mit der Gestalttheorie und ihrer Begrifflichkeit andere Therapie-konzepte, Modelle aus der Systemtheorie, der Psychologie sowie aus der Gehirn- und Kommunikationsforschung dargestellt und diskutiert. Zudem bekommt das Weisheitswissen der spirituellen Traditionen Raum. Gerade hier finden wir Beschreibungen, die ein tieferes Verständnis von Bewusstseinsprozessen ermöglichen.
Die Theoriethemen werden zum teil von den TeilnehmerInnen selbst erarbeitet und präsentiert.
Die Erfahrung und die therapeutische Arbeit in der Gruppe wird stets begleitet von theoretischer Reflexion. In der „methodischen Nachbesprechung“ wird der jeweilige Ablauf eines Prozesses betrachtet.
3. Praktikum und Supervision
Neben der Erfahrung und der Theorie ist die Einübung, also das praktischen Erlernen der gestalttherapeutischen Arbeit, der dritte Schwerpunkt der Fortbildung. Die Teilnehmerinnen arbeiten miteinander paarweise oder in kleinen Gruppen, den so genannten „Triaden“ und werden schrittweise in die therapeutische Begleitung eingeführt.
In der Supervision erhalten sie Rückmeldung zu ihrer Arbeit und ihrem Lernprozess. Hier liegt der Fokus primär darauf, die individuellen Qualitäten der Einzelnen heraus zu arbeiten und zu fördern. Authentizität ist eine wesentliche Voraussetzung für eine verantwortungsvolle und effektive therapeutische oder beratende Begleitung von Menschen. Ehrlicher Kontakt und transparente Kommunikation sind Kriterien für die Professionalität von Therapeuten. Deshalb geht es in der Fortbildung vorwiegend darum, die Einzigartigkeit der Einzelnen zu fördern und zu lernen, diese Originalität in der Arbeit kreativ wirksam werden zu lassen.
In den Zeiträumen zwischen den Fortbildungsseminaren, treffen sich die Teilnehmer und führen das Erlernte fort.
Umfang der Fortbildung
Die Fortbildung dauert 2 Jahre und kann durch ein drittes Jahr ergänzt werden. Jedes Jahr umfasst ca. 142 Stunden in der Gruppe (das entspricht etwa 190 Unterrichtsstunden). Hinzu kommen Kleingruppentreffen (durchschnittlich 30 Stunden/Jahr) sowie Einzelsitzung (ca. 20 Stunden).
Die Summe der Fortbildungsstunden gesamt beträgt pro Jahr ca. 192 Stunden (256 U-Stunden).
Termine:
Termine im 1. Jahr:
| 1. Woche (4 Tage) |
25.-30. August 2010 |
30 Std. |
| 1. WE |
10.-12. September 2010 |
16 Std. |
| 2. WE |
15.-17. Oktober 2010 |
16 Std. |
| 3. WE |
26.-28. November 2010 |
16 Std. |
| 4. WE |
14.-16. Januar 2011 |
16 Std. |
| 5. WE |
11.-13. März 2011 |
16 Std. |
| 6. WE |
22.-24. April 2011 |
16 Std. |
| 7. WE |
10.-12. Juni 2011 |
16 Std. |
| Gesamt 1. Jahr |
|
142 Std. |
Optional: 10-tägiger Intensivkurs im Sommer in Hessen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gestalttherapie und Bewusstseinsforschung.
Kosten:
Je Wochenende: 180,- € x 7 = 1.260,- €; je Woche: 390,- €
Ein Fortbildungsjahr gesamt: 1.650,- €
Gesamtkosten (2 Jahre): 3.300,- €
zahlbar in 24 Monatsraten á 118,75 €
plus eine Anzahlung bei Vertragsabschluß in Höhe von 450,- €
Andere Zahlungsmodalitäten können ggf. vereinbart werden.
Hinzu kommen ggf. die Kosten für Unterkunft und Verpflegung.
Fortbildungsort
Die Fortbildung findet in 79263 Simonswald statt, etwa 35 km nördlich von Freiburg, erreichbar mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Haus liegt im Simonswälder Tal direkt an der Wilden Gutach inmitten von Wiesen und Wäldern. Obwohl nur einige Kilometer fernab vom städtischen Getriebe, bietet der Ort viel Raum zur Erholung und Möglichkeit, sich innerlich ganz auf die Erfahrung einzulassen. Wir empfehlen, im Haus oder in einem der nah gelegenen Hotels zu übernachten. Für alle, die in der Umgebung wohnen, besteht aber auch die Möglichkeit, zu pendeln.
Anmeldung und Vertrag
Die Anmeldung erfolgt schriftlich. Der Vertrag wird nach einem gegenseitigen Kennenlernen für Dauer von 2 Jahren geschlossen. Er ist zum Ende des 1. Jahres kündbar.
Anerkennung und Zertifikat
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhalten ein Zertifikat, in dem der Umfang und die Inhalte der Fortbildung bescheinigt werden. Dieses Zertifikat kann als Nachweis für eine absolvierte Gestaltausbildung beim Arbeitgeber oder bei der Bewerbung eingereicht werden.