Was ist Gestalttherapie?
oder
Honig muss man kosten
Über Gestalttherapie zu reden ist, als wolle man jemandem erklären, wie Honig schmeckt: Erst wenn man ihn gekostet hat, kennt man seinen Geschmack. Dennoch hoffen wir, Ihnen einen kleinen Vorgeschmack davon geben zu können, was Gestalttherapie sein kann, wohl wissend, dass das Wesen des Gestaltansatzes nur über die persönliche Erfahrung entdeckt werden kann. Wir wollen mehr beschreiben als definieren. Wir wollen vermitteln, was uns am Gestaltansatz fasziniert und begeistert. Am Anfang, als sich die Gestalttherapie noch in den Kinderschuhen befand, waren die Gestaltpioniere ursprünglich nicht daran interessiert, eine neue psychotherapeutische Theorie zu formulieren. In der Zeit des jungen 20. Jahrhunderts, war auf allen Ebenen des menschlichen Zusammenlebens viel in Bewegung und so wollten sie einen Therapiestil entwickeln, der die damals wichtigsten wissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnisse im Dienste der Praxis integrierte. Im Zentrum stand vor allem die Überzeugung, dass der Mensch mehr als eine Maschine ist, bei der man lediglich einige Ersatzteile auswechseln muss, um sie wieder funktionstüchtig zu machen. Der Organismusgedanke, der die systemische Verwobenheit aller Lebensphänomene rückte in den Vordergrund: Der Mensch wird als „Organismus in seiner Umwelt“ betrachtet, dessen Grundtendenz es ist, sich stets als Ganzheit zu organisieren (Holismus*) und ein flexibles Gleichgewicht aufrecht zu erhalten (Homöostase*). Die antike Weisheit „alles fließt“ wird nun aus wissenschaftlicher Sicht neu beschrieben |
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Inhalt:
Was ist Gestalttherapie
Hintergründe und Protagonisten
Gestalten vor meiner Tür
Kontakt findet an der Grenze statt
Gedanken zum Kontext der Fortbildung
Die Fortbildung im Gestalt-Institut Marburg
1. Ziel
2. Inhalt
3. Struktur
4. Methoden
Für wen ist diese Fortbildung?
Lehrplan
Die vier Elemente der Fortbildung
1. Element: Selbsterfahrung/Methodik
2. Element: Theorie
3. Element: Praktikum und Supervision
4. Element: Spirituelle Praxis
Einzelsitzungen, Co-Counseling und Triaden
Das Sommer-Intensiv
Beziehungsklärung mit den Eltern
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Hintergründe und Protagonisten
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Fritz Perls* (1893-1970), der neben Laura Perls und Paul Goodman als Begründer der Gestalttherapie gilt, schöpfte bei seiner Entwicklung aus verschiedenen Traditionen und fügte die Elemente, die er in seinem Leben als sinnvoll und praktikabel erfahren hatte, zu einer neuen Ganzheit, zu einer völlig neuen Form von psychotherapeutischem Kontakt zusammen.
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"Fritz Perls" von Otto Dix |
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Die klassische Psychoanalyse* (Freud, Harnich, Deutsch u.a.), Wilhelm Reichs Charakteranalyse*, Existentialistische Philosophie* (Buber, Scheler, Tillich), Gestaltpsychologie* (Wertheimer, Köhler), Zen-Buddhismus*, Taoismus* und nicht zuletzt Perls jüdische Herkunft und seine Erfahrungen in den Weltkriegen sind der Boden, auf dem und aus dem heraus Gestalttherapie zu wachsen begann.
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Gestalten vor meiner Tür
Das Spiel mit Figur und Grund
Die Gestaltpsychologie hat gezeigt, dass unsere Wahrnehmung keine 1:1-Darstellung der Welt ist. Die Informationsverarbeitung läuft als komplexer Prozess nach bestimmten Prinzipien ab, bei dem aus der Fülle der Informationen ein stimmiges Bild von der Realität konstruiert wird.. Es bildet sich für das individuelle Bewusstsein jeweils eine „sinnvolle Ganzheit“ heraus, die als „Gestalt“ bezeichnet. wird. Wie wir die Welt betrachten und was uns als wirklich erscheint, wird durch kollektive Paradigmen und individuelle Erfahrungen bestimmt. Wie dramatisch sich die Weltsicht verändern kann zeigt z. B. die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe, sondern rund ist. Alle Phänomene werden nach dieser umwälzenden Einsicht in einem neuen Licht gesehen und die Weltanschauung strukturiert sich neu.
Ein Prinzip, das die Gestaltung und Konzeption unserer persönlichen Wirklichkeit beeinflusst, beschreibt die Gestaltpsychologie als „Figur-Grund-Wechsel“*: „Figur“ bezeichnet das, was in unserer Aufmerksamkeit in den Vordergrund tritt. Alles übrige bildet so lange den Hintergrund, bis sich unser Fokus etwas anderem zuwendet und dies nun aus dem Hintergrund hervortritt und zur Figur wird. Was jeweils ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem ist es das jeweilige Bedürfnis, das die Art und Weise bestimmt, wie wir die Welt wahrnehmen. Mit hungrigem Magen gehe ich anders über einen Gemüsemarkt als wenn ich mich dort mit meiner Liebsten verabredet habe. Das im Vordergrund stehende Bedürfnis (Figur) bestimmt den Fokus der Wahrnehmung und ordnet die Informationen derart zu einem Gesamtbild der Wirklichkeit, dass es zu einer Befriedigung des Bedürfnisses kommen kann. Das Übrige tritt bedeutungslos in den Hintergrund (Grund).
Die Entdeckung von Perls und seinen Kollegen war das Phänomen der „unabgeschlossenen Situation“ oder „offenen Gestalt“ (unfinished business). So bezeichneten sie die Dynamik, die entsteht, wenn emotionalen bzw. psychischen Bedürfnissen nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das Übergehen von Gefühlen, bewegenden Erlebnissen oder dramatischen Situationen führt dazu, dass Lebenssituationen unabgeschlossen im Raum des Unbewussten abgelegt werden und sich auf das gegenwärtige Erleben der Realität auswirken. Wenn auch vergangen, drängen die alten Geschichten in unserem Leben nach Beendigung: Die nicht geweinten Tränen, die verschluckte Wut, die unausgedrückte Liebe stehen gleichsam Schlange vor unserer Tür und nutzen jede Gelegenheit anzuklopfen oder gar mit der Tür ins Haus zu fallen. Mit anderen Worten: Diese Situationen unserer Vergangenheit bestimmen unser Leben und rufen sich immer wieder in Erinnerung; solange, bis sie abgeschlossen sind. So wird z. B. die nicht gelebte Trauer über den Verlust eines Menschen oder die Wut über eine Verletzung solange an uns nagen, bis wir sie gefühlt und abgeschlossen haben.
Die Brille, durch die wir die Welt betrachten ist durch unsere offenen Gestalten eingefärbt. Sie sorgt dafür, dass wir unsere Realität so wahrnehmen, dass sie unserem Lebens-Drehbuch* entspricht. Wir überzeugen uns also permanent selber, dass die Welt tatsächlich so ist, wie wir sie sehen. Wir haben uns in einem Leben eingerichtet, in dem alles schlüssig erscheint und seinen Platz hat – auch unser Unglück, unsere Sehnsüchte und Unzufriedenheiten. Was ist, wenn wir plötzlich entdecken, dass die Welt anders sein könnte, als sie uns erscheint? Indem wir unseren unabgeschlossenen Situationen auf die Spur kommen, erwecken wir das Potenzial zu einem neuen Leben. Gestalttherapie zeigt, dass wir uns glücklicherweise nicht auf die Reise in die Vergangenheit zu machen brachen. Wir können zuhause bleiben, und dieses Zuhause ist das Hier und Jetzt*, der gegenwärtige Moment. Im Hier und Jetzt finden wir alles, ob es nun vier Wochen oder zwanzig Jahre zurückliegt.
Leben findet immer jetzt statt. Die Entwicklung von Bewusstheit (awareness)* und ein lebendiges Verständnis für die Gegenwärtigkeit (das Augenfällige und an der Oberfläche Liegende) ist der erste wesentliche Schritt in Richtung auf größere Flexibilität und Stabilität. Der Dreh- und Angelpunkt der Gestalttherapie ist die Gegenwart. Präsenz im gegenwärtigen Moment richtet das Bewusstsein an seinem ursprünglichen Wesen aus und ermöglicht, dass die ursprüngliche Ganzheit wieder neu erstrahlen kann. Veränderung bedeutet in diesem Sinn, Bewusstwerdung dessen, was das leben in allen Facetten ausmacht. Wünsche und Bedürfnisse werden klar, neue Lebensstrategien zur Verwirklichung des eigenen Potenzial werden umgesetzt, überkommene Lebenskonzepte werden losgelassen oder neu formuliert und die Verantwortung für die offen gebliebenen Situationen der eigenen Lebensgeschichte wird übernommen.
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Kontakt findet an der Grenze statt
Die Würdigung des Unterschiedes
Gestalttherapie bedeutet vor allem menschliche Begegnung. Die Voraussetzung dafür, dass Menschen im therapeutischen Setting ein waches Bewusstsein für sich selber entwickeln, ist ein lebendiger Kontakt*. Die direkte Begegnung mit dem Menschen, der zu uns kommt, schafft den Raum für Veränderung. Alles, wonach er sich sehnt, was er erhofft und befürchtet, was ihn hemmt und was ihn antreibt, ist in dem Moment präsent, in dem wir uns begegnen. Kontakt ist das gelebte Jetzt. Aus dem Ich und Du entsteht eine völlig neue Qualität: das Wir.
Nur dort, wo Unterschiede wahrgenommen und wertgeschätzt werden, können sich Menschen begegnen und aus dieser Begegnung volles Leben schöpfen. Die Gestalttheorie drückt das in dem Satz aus: „Kontakt findet an der Grenze* statt“. Die Funktion der persönlichen Grenze ist nicht in erster Linie Schutz oder Verteidigung. Eine Grenze bietet Berührungspunkte. Sie ermöglicht Begegnung und letztlich das Abenteuer der Liebe. Im gestalttherapeutischen Kontakt wird diese Grenze erlebt und erfahren.. Die Würdigung des Unterschieds ermöglichet die Verbindung. Individualität tritt aus der Vielfalt hervor und ermöglicht so Gemeinschaft. Wir verbringen normalerweise viel Zeit und Energie damit, den Kontakt an der Grenze nicht zuzulassen. Ängste und Befürchtungen, gespeist aus Erlebnissen der Vergangenheit, sorgen dafür, dass wir uns auf vermeintlich sicheres Terrain zurückziehen. Die Gestalttherapie richtet den Fokus auf die Mechanismen, die wir geschaffen haben, um Kontakt zu vermeiden. Wir fragen dabei nicht nach dem Warum, sondern nach dem Wie, und nutzen die kreative Energie, die in der Vermeidung* von Kontakt gebunden ist und geben ihr ein neues Wirkungsfeld.
Nicht zuletzt ist für uns die Transpersonalität* des Gestaltansatzes bedeutsam. Gestalt lehrt uns, vom Individuum aus in zwei Richtungen zu schauen: nach innen in die Tiefe und nach außen in die Weite. „Innen“ finden wir das unberührte Wesen menschlichen Lebens, die Antworten auf unsere Fragen nach dem Woher und Wohin, die Quelle unserer Lebensweisheit. „Außen“ begegnet uns die Fülle der Lebensformen, die Vernetzung und das gegenseitig bedingte Entstehen aller Lebensphänomene. Beide Richtungen weisen über unsere Individualität hinaus und geben eine Ahnung von unserem Eingebettet sein in ein noch größeres Ganzes.
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Gedanken zum Kontext der Gestaltfortbildung
Wenn wir die Betonung des „Hier und Jetzt“ tatsächlich ernst nehmen und unseren Horizont über den individuellen Tellerrand hinaus ausweiten, berühren wir auch die kollektiven Aspekte unseres Lebens. In unserer Fortbildung beziehen wir ausdrücklich die historischen, sozialen, ökonomischen, ökologischen und kulturellen Bedingungen unserer Zeit mit in das Lehrprogramm ein. Die Definition von Therapie wandelt sich ebenso wie sich das gesamte menschliche Kulturgefüge verändert. Unser Interesse gilt deshalb immer der Frage: Was bedeutet Therapie jetzt? Welchen Hintergrund bringen die Menschen heute mit in die therapeutische Begegnung? Natürlich ist die Interpretation des gegenwärtigen Geschehens der Ausdruck einer bestimmten Sichtweise und somit die Reflexion unserer Grundhaltung. Aus unserer Perspektive wird das momentane Weltgeschehen von tiefgreifenden Krisen und Umbrüchen geprägt. Das Wirtschafts- und Finanzsystem hat weltweit seinen Glanz verloren, die Arbeitsplätze und Renten sind unsicher, die Klimakatastrophe nimmt ihren Lauf und die ökologischen Folgeschäden eines gedankenlosen Raubbaus sind kaum noch zu begrenzen. Gewalt zeigt sich nicht nur in den Kriegsgebieten. In Schulen und Familien ist wächst mancherorts die Tendenz, Konflikte mit der Faust zu lösen. Das Überleben der Menschheit und aller Lebewesen ist bedroht und in Frage gestellt.
Gleichzeitig begegnen wir dem Wandel auf Ebenen des menschlichen Bewusstseins: die Revolution des naturwissenschaftlichen Denkens, die Erforschung und Entwicklungen neuer Technologien, die Hinwendung vieler Menschen zu Meditation und die Beschäftigung mit dem erwachenden Bewusstsein sowie die zunehmende Integration von Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.
Eine Krise ist auch eine Zeit der Chance. Die Menschheit hat eine bedrohliche Situation erschaffen und steht nun vor der Herausforderung eines Quantensprungs. Mit den alten Mitteln ist die Krise nicht zu bewältigen und das „Neue“ lässt sich nicht mit den gewohnten Strukturen kontrollieren. Wir glauben, dass der Gestaltansatz ein Feld schaffen kann, in dem neue und ungewöhnliche „Lösungen“ auftauchen und sich ein Bewusstsein entwickeln kann, das in der Lage ist, den Sprung in das Ungewisse zu vollziehen.
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Fortbildung im Gestalt-Institut Marburg / Gestalt-Forum Freiburg
Im Zentrum der Fortbildung steht jede einzelne Fortbildungsteilnehmerin und jeder einzelne Fortbildungsteilnehmer in ihrer bzw. in seiner gegenwärtigen Situation. Dazu gehören die speziellen Qualitäten der Person, ihr Potenzial, die Visionen und Wünsche sowie ihre Geschichte und ihre Lebensperspektiven.
In der Begegnung mit den anderen TeilnehmerInnen und den FortbildungsleiterInnen entsteht der Raum, in dem Entwicklung stattfindet. Im Sinne von Gestalt bedeutet Entwicklung, dass jede Person ihre Qualitäten, die immer schon vorhanden sind, entfaltet und ihr Potenzial realisiert. Ein wichtiges Element der Fortbildung ist der Kontakt zwischen KlientIn und TherapeutIn in der Gruppe. In diesem komplexen Beziehungsgewebe findet das jeweilige „In-der-Welt-Sein“ der Einzelnen seinen Ausdruck. Die Gruppensituation ist wie eine Bühne, auf der sich das Leben darstellt und angeschaut wird.
1. Das Ziel
Ziel des Lehrganges ist die Ausbildung der TeilnehmerInnen zu qualifizierten und verantwortlichen GestalttherapeutInnen. Die Fortbildung beinhaltet eine umfassende Vermittlung von therapeutischem Wissen, Methoden und Verfahren auf dem Hintergrund intensiver Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung. Ausgehend von diesem Fundament aus Wissen und Erfahrung können die TeilnehmerInnen die angelernten Methoden im Laufe der Fortbildung zunehmend zu ihrem eigenen, persönlichen Handwerkszeug entwickeln und so zu einer kreativen und intuitiven Herangehensweise finden, die jenseits von therapeutischer „Technik“ liegt. In diesem Sinne verstehen wir unter Professionalität von GestalttherapeutInnen die Fähigkeit, auf dem Boden lebendiger Bewusstheit das Erlernte flexibel und schöpferisch anzuwenden.
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2. Der Inhalt
Der Aufbau der Ausbildung wird etwas später detailliert dargestellt. Die Lehrgangsinhalte werden von den FortbildungsteilnehmerInnen mitbestimmt. Wir arbeiten mit Themen, die die TeilnehmerInnen aus ihrer Lebensgeschichte und ihrem Alltag mitbringen. Wir folgen dem Prozess der Gruppe und thematisieren die Erfahrungen auf dem Boden von Erlebnis und Kognition.
Zusätzlich initiieren wir Erfahrungen mit Themen, die besondere Brennpunkte innerhalb menschlicher Beziehungen und daher auch der therapeutischen Arbeit darstellen. Beispiele sind: Partnerschaft, Sexualität, Gewalt, Aggression, Arbeit, Sucht, Wirtschaft, Lust und Lebensfreude.
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3. Die Struktur
Die Dauer der Fortbildung beträgt drei Jahre. Nach Beendigung des zweiten Jahres können die TeilnehmerInnen ein Zertifikat als Gestaltberater bzw. Gestaltberaterin erhalten. Nach Abschluss des dritten Fortbildungsjahres erfolgt die Zertifizierung als Gestalttherapeutin bzw. Gestalttherapeut..
Die Grundstruktur des Lehrganges besteht aus regelmäßigen Gruppensitzungen, ergänzt durch drei „Sommer-Intensiv-Seminare“ . Ein weiterer kontinuierlicher Bestandteil, der sich über die gesamte Dauer der Fortbildung erstreckt, ist die Arbeit in Triadengruppen. Dies sind feste, ausbildungsbegleitende Gruppen von drei bis fünf TeilnehmerInnen. Sie bieten einen vertrauten Rahmen, in dem die TeilnehmerInnen mit dem Gelernten experimentieren, sich gegenseitig unterstützen und die Prozesse vertiefen.
Um die Fortbildung zu komplettieren, sind auch verschiedene praktische Arbeiten vorgesehen . Wir haben dem Lehrgang eine Struktur gegeben, die sowohl Kontinuität und ein gutes Maß an emotionaler Sicherheit ermöglicht, als auch Spielraum für individuelle Interessen bietet.
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4. Die Methoden
Methodische Grundlagen der Fortbildung sind die Praxis und Arbeitsweise der Gestalttherapie.
Wir entwickeln und verfeinern unsere Bewusstheit für Innen- und Außenwahrnehmung.
Themen aus Psychologie und angrenzenden Bereichen werden von den LeiterInnen und den TeilnehmerInnen in die Fortbildung eingebracht und methodisch abwechslungsreich erarbeitet.
Im Praktikum haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, unter Beobachtung ihrer FortbildungskollegInnen oder unter Supervision der LehrtherapeutInnen das Erlernte umzusetzen und Erfahrungen in der Rolle als TherapeutIn zu sammeln. Sie lernen, Resonanzen und eigene Empfindungen für den therapeutischen Prozess zu nutzen. Dies geschieht auch in Form von Leitung der eigenen Gruppe und in der sog. Triadenarbeit, bei der FortbildungsteilnehmerInnen miteinander therapeutisch arbeiten und jeweils von ein bis zwei anderen TeilnehmerInnen beobachtet werden. Dabei entwickeln sie ihre Wahrnehmung für Dynamik und Atmosphäre in Gruppen.
Wir erleben uns in Partner- und Gruppenübungen.
Wir richten den Fokus auf Körperwahrnehmung und Körperempfindung.
Wir reflektieren gemeinsam das Erlebte in methodischen Nachbesprechungen der Einzelarbeiten und lernen den theoretischen Hintergrund sowie die verschiedenen Ansätze und Interpretationen der Gestalttherapie kennen.
Wir arbeiten mit kreativen Medien und beschäftigen uns mit Ritualen und ihrer Bedeutung für die Therapie.
In den Sommer-Intensiv-Seminaren erfährt die Form des Lernens eine Erweiterung: Die TeilnehmerInnen aus allen laufenden Gruppen des Gestalt-Instituts Marburg werden gemischt und lernen über einen längeren Zeitraum in einer so neu entstandenen Gruppe intensiv miteinander.
Da wir der Meinung sind, dass eine spirituelle Praxis die therapeutische Arbeit belebt und stärkt, schaffen wir den Raum, in dem eine kreative Auseinandersetzung mit verschiedenen spirituellen Formen geschehen kann.
Wir experimentieren und üben mit dem, was die TeilnehmerInnen und LeiterInnen an Erfahrung und Wissen mitbringen.
Wir machen uns gemeinsam auf die Suche nach unseren Wurzeln in der Überzeugung, dass sich Spiritualität und Religiosität in individuellen und vielfältigen Formen ausdrücken.
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Für wen ist die Fortbildung?
Die Fortbildund steht allen Berufsgruppen offen. Das Mindestalter beträgt 25 Jahre. Wir wenden uns ausdrücklich an Menschen aller Berufsgruppen, da wir davon ausgehen, dass die am Ende erworbene Kompetenz nicht nur einer im engeren Sinne therapeutischen Arbeit zugute kommt.
Die TeilnehmerInnen der Fortbildung durchlaufen während dieser Zeit in aller Regel einen tiefen persönlichen Prozess, der sie zu einer weitreichenden Kenntnis der eigenen Person und ihrer Möglichkeiten und somit zu einer erhöhten emotionalen Kompetenz, einem Ausbau ihrer Teamfähigkeit und zu einem gut fundierten Wissen über psychische Prozesse und Gruppenprozesse führt. Diese Fähigkeiten werden in vielen Berufsfeldern gesucht und gebraucht.
Hinweis: Das Recht zur eigenständigen Ausübung heilkundlicher Psychotherapie ist ÄrztInnen, HeilpraktikerInnen sowie PsychotherapeutInnen vorbehalten, kann jedoch auch durch eine Prüfung vor dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt erlangt werden. Rein beratende Tätigkeiten unterliegen dieser Beschränkung so nicht. Für die Tätigkeit in freier Praxis ist jedoch die staatliche Erlaubnis als rechtliche Absicherung zu empfehlen.
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Der Lehrplan für das Zertifikat in Gestalttherapie
Die Fortbildung beinhaltet insgesamt 1050 Unterrichtsstunden à 45 Minuten.
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1. Jahr |
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2. Jahr |
3. Jahr |
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Gesamt-
summe |
I Selbsterfahrung/Methodik |
140 |
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100 |
30 |
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270 |
II Theorie |
80 |
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80 |
60 |
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220 |
III Praktikum |
40 |
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60 |
80 |
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180 |
IV Supervision |
10 |
|
30 |
40 |
|
80 |
V Spirituelle Praxis |
30 |
|
30 |
30 |
|
90 |
VI Co-Counseling/Triaden |
40 |
|
40 |
40 |
|
120 |
Zwischensumme |
340 |
|
340 |
280 |
|
960 |
VII Einzelsitzungen |
20 |
|
20 |
20 |
|
60 |
VIII Abschluss-Supervision |
|
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30 |
|
30 |
Summe |
360 |
|
360 |
330 |
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1050 |
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Die vier Elemente der Fortbildung
Die vier Elemente Selbsterfahrung/Methodik, Theorie, Praktikum und Supervision sowie Spirituelle Praxis prägen die inhaltliche Grundstruktur der Fortbildung.
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Da wir von einem ganzheitlichen Menschenbild ausgehen, sind wir bemüht, auch das Lernen in der Fortbildung ganzheitlich zu gestalten. Das heißt, dass wir immer alle Elemente im Blick halten wollen, auch wenn wir während der unterschiedlichen Abschnitte und Phasen innerhalb eines Fortbildungsjahres bestimmte Elemente hervorheben und betonen. So ist die Selbsterfahrung in der Gruppe eingerahmt von methodischer Nachbesprechung und Reflexion mit dem Ziel, das Erlebte zu verstehen und ein gemeinsames Vokabular zu finden, um das Erfahrene zu kommunizieren und Theorie bilden zu können.
Bei der theoretischen Beschäftigung knüpfen wir an unsere Erfahrung in der Gruppe, unser „Alltagsleben“ und ggf. unsere spirituelle Praxis an und überprüfen die Theorie mittels der Erfahrung. Dabei bleiben wir uns bewusst, dass Gestalt-Theorie im Dienste der therapeutischen Praxis zu stehen hat.
Die psychotherapeutische Praxis wiederum steht auf dem Boden der eigenen Erfahrung sowie des tiefen Verständnisses menschlichen Erlebens, psychischer Prozesse und gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Spirituelle Praxis kann ein Korrektiv im Zusammenhang mit Theoriebildung sein und eine Wirklichkeitsbeschreibung bieten, innerhalb derer Erleben und Wissen neu gedeutet werden. Dies wiederum hat Einfluss auf die therapeutische Arbeit.
Dieses Ineinanderverwobensein der vier Elemente der Fortbildung machen wir durch das Symbol der Spirale deutlich: Während jeder Windung tritt ein Element hervor, begleitet von den übrigen. So entsteht ein dynamischer Prozess des Erlernens von Gestalttherapie, dessen inneres Zentrum der jeweilige Mensch ist, der sich auf dem Weg zur Gestalttherapeutin bzw. zum Gestalttherapeuten befindet.
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1. Element: Selbsterfahrung / Methodik
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In den ersten beiden Fortbildungsjahren legen wir einen Schwerpunkt auf intensive Selbsterfahrung in der Gruppe. Die TeilnehmerInnen erleben sich in der Gruppensituation als KlientInnen und haben so die Möglichkeit, den gestalttherapeutischen Prozess von innen her zu erleben. Gleichzeitig dient die Erfahrung in der Gruppe dazu, die Grundlagen des gestalttherapeutischen Ansatzes kennenzulernen und zu reflektieren. Letzteres geschieht mittels regelmäßiger methodischer Nachbesprechungen der Übungen und der therapeutischen Arbeit. |
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- Erweiterung der personalen und der therapeutischen Kompetenz durch intensives Erleben eigener und fremder therapeutischer Prozesse als KlientIn, TherapeutIn und BeobachterIn
- Praxis und Arbeitsweisen der Gestalttherapie
- Methoden anderer Ansätze (z.B. NLP, Systemischer Ansatz, Hypnose)
Umfang:
1. Jahr: 140 Stunden
2. Jahr: 100 Stunden
3. Jahr: 30 Stunden
Summe: 270 Stunden
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Personale Kompetenz
Das Wissen um innere Abläufe, Verhaltens- und Reaktionsmuster der eigenen Person sowie deren Hintergründe und Geschichte ist die notwendige Grundlage für die Entwicklung therapeutischer Fähigkeiten. Durch die Arbeit an sich selbst erreichen die FortbildungsteilnehmerInnen größere innere Freiheit und ein tiefes Verständnis ihrer psychischen Prozesse. Sie können ihre „unerledigten Geschäfte“ abschließen, Stärken herausarbeiten und mehr Zufriedenheit in ihrem Leben erlangen, wodurch sie ihre personale Kompetenz erweitern.
Therapeutische Kompetenz
Im Laufe der Fortbildung haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich in den verschiedenen Rollen des therapeutischen Prozesses zu erfahren: als KlientInnen, TherapeutInnen und schließlich als „aktive“ BeobachterInnen des Prozesses. Dabei geht es zunächst um die Erfahrung der eigenen Person, auch wenn die FortbildungsteilnehmerInnen in der Übungssituation die Rolle der TherapeutInnen einnehmen.
Andererseits erwächst aus der Erfahrung der unterschiedlichen Aspekte der Arbeit ein tieferes Verständnis menschlichen Erlebens innerhalb des therapeutischen Settings, das die FortbildungsteilnehmerInnen für ihr persönliches und professionelles Wachstum nutzen können. Aus ihrer Erfahrung als KlientIn können sie leichter einschätzen, wie sich KlientInnen fühlen und was zu ihrer Unterstützung notwendig ist bzw. was eher hinderlich wirkt. Gleichzeitig erleben sie auch andere in der Rolle der KlientInnen und kommen so mit einer Fülle von Themen in Berührung, die in der Therapie und in ihrem Berufsalltag auftauchen können. Dadurch werden sie nicht nur auf eigene, vielleicht noch im Hintergrund verweilende Anteile ihrer Person aufmerksam gemacht, sondern haben auch die Möglichkeit, „von außen“ therapeutische Prozesse zu beobachten und sie anschließend zu reflektieren. Damit steht das Element der Selbsterfahrung auch im Dienste der Erweiterung therapeutischer Kompetenz: Das Einfühlungsvermögen wird erhöht, und der Horizont dessen, was und wie Menschen erleben können, wird erweitert.
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Theorie ...
... gibt mehr Freiheit und mehr Kreativität in der Arbeit
...ermöglicht, den wissenschaftlichen, historischen, sozialen und philosophischen Kontext der Arbeit zu verstehen
... gibt mehr Chancen, den eigenen Stil, den eigenen Ansatz und die eigene Wahrheit zu finden
... gibt die Freiheit, die therapeutischen Techniken zu integrieren und sich vom „Handwerker“ zum Künstler zu entwickeln
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Erarbeitung und Erlernen des theoretischen Hintergrundes von Gestalttherapie, psychologischer Grundlagen sowie philosophischer Ansätze.
Präsentationen der Theoriethemen durch die FortbildungsteilnehmerInnen
Audiovisuelle Medien
Gäste zu speziellen Themen
Arbeit in Untergruppen und besonderen Theorieseminaren
Umfang:
1. Jahr: 80 Stunden
2. Jahr: 80 Stunden
3. Jahr: 60 Stunden
Summe: 220 Stunden
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Die Theorie der Gestalttherapie zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Fortbildung. Sie spiegelt sich in den methodischen Nachbesprechungen der Einzelarbeiten und in besonderen Theoriesequenzen in der Fortbildungsgruppe.
Jede/r TeilnehmerIn übernimmt bestimmte Theoriethemen, die in Form von Referaten und/oder anderen Methoden präsentiert werden. Die jeweiligen Themen richten sich zum einen nach dem jeweiligen Fortbildungsstand der TeilnehmerInnen, zum anderen nach den aktuell ablaufenden Prozessen in der Gruppe und den dort auftauchenden Fragen.
In den ersten beiden Fortbildungsjahren beschäftigen wir uns vorwiegend mit Quellen und Grundbegriffen der Gestalttherapie sowie mit generellen Fragestellungen hinsichtlich des Menschenbildes in Therapie und Psychologie und den damit verbundenen Themenbereichen. Im Laufe des Lehrganges erfolgt eine kontinuierliche Ausdifferenzierung der Theorie.
Theoriethemen der Fortbildung im Überblick:
Historische Wurzeln der Gestalttherapie
Grundbegriffe der Gestalttherapie
Wahrnehmung und Motivation
Der Prozess ganzheitlicher Veränderung in der Gestalttherapie
Das Modell der „Vermeidung“ in der Gestalttherapie
Verschiedene therapeutische Ansätze und Methoden
Systemische Ansätze der Therapie
Grundannahmen der Humanistischen Psychologie
Entwicklungspsychologie
Dynamik psychischer Prozesse
Gruppendynamik und Familieninteraktion
Pathologie und Diagnostik
Therapie und Gesellschaft
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3. Element: Praktikum & Supervision
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Dieser Teil der Fortbildung bezieht sich auf die praktischen Erfahrungen, die die TeilnehmerInnen in der Rolle der/des TherapeutIn bzw. der/des GruppenleiterIn sammeln. Unter Supervision der FortbildungsleiterInnen und mit Feedback der Gruppe üben sie den gestalttherapeutischen Ansatz ihrem Fortbildungsstand entsprechend. Der zeitliche Umfang dieses Elementes wächst anteilig im Laufe der Fortbildungsjahre; im dritten Jahr bildet es den Schwerpunkt.
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Einführung in die praktische therapeutische Arbeit mit Gruppen und Einzelnen, schrittweises Erlernen und Einüben therapeutischer Grundhaltung und Interventionen
Erweiterung der Kontaktfähigkeit im therapeutischen/beratenden Kontext
persönliche Stärken und Schwächen erkennen und damit arbeiten lernen
Leitung von Gruppensitzung unter Supervision
Triadenarbeit in der Gruppe (Einzelsitzungen mit anderen GruppenteilnehmerInnen unter Beobachtung und/oder Supervision)
Leitung von offenen Abenden, eines offenen Wochenendes oder einer selbstorganisierten Veranstaltung
Umfang:
1. Jahr: 50 Stunden
2. Jahr: 90 Stunden
3. Jahr: 120 Stunden
Summe: 260 Stunden
zzgl. 30 Stunden Abschluss-Supervision
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Die TeilnehmerInnen arbeiten miteinander therapeutisch in sog. Triaden, später leiten sie Gruppensitzungen. Dabei fördern wir kreative Ideen und Prozesse und sind offen für weitere und neue Formen der Praktikumsarbeit. Daneben bestehen ggf. Möglichkeiten zu Assistenzen bei Fortbildungsgruppen und anderen Veranstaltungen.
Die FortbildungsteilnehmerInnen können im dritten Fortbildungsjahr ggf. sogenannte offene Wochenenden bzw. offene Abende leiten. Dies bedarf einer Zulassung durch die FortbildungsleiterInnen. Im ersten Stadium des Praktikums üben wir Grundinterventionen der Gestalttherapie ein und helfen, persönliche Stärken zu finden. Im zweiten Stadium vermitteln wir Grundeinstellungen und verfeinerte Gestalttechniken. In der dritten Phase unterstützen wir die Integration der vorangegangenen Entwicklungsschritte und die Ausbildung des persönlichen Stils.
Supervision und Feedback
Für die Arbeit in der Triade bzw. Gruppe erhalten die TeilnehmerInnen Rückmeldung von den sie beobachtenden FortbildungskollegInnen und Supervision durch die LeiterInnen. Ihre Erfahrungen in der Arbeit und die Ergebnisse aus Feedback und Supervision liefern das Material, anhand dessen mit den TeilnehmerInnen kontinuierlich an deren Stärken und Schwächen gearbeitet wird.
Es geht dabei vorwiegend darum, eine therapeutische Haltung zu entwickeln, von der aus die Technik immer weiter in den Hintergrund tritt und gleichzeitig das Vertrauen in den Prozess und in das eigene persönliche Potential wachsen kann. Mit Hilfe von Supervision und Rückmeldungen aus der Gruppe können die FortbildungsteilnehmerInnen ihre Selbsteinschätzung sowie ihre Wahrnehmung und Interpretation der äußeren Gegebenheiten in der praktischen Arbeit überprüfen.
Schrittweise Lernen
Die Arbeit als EinzeltherapeutIn in der Gruppe oder als GruppenleiterIn unter Supervision wird schrittweise vorbereitet: Wir beginnen zunächst sehr strukturiert mit grundlegenden Interventionstechniken, die miteinander eingeübt werden. Danach betrachten wir Techniken und Interventionen für die Arbeit mit Einzelnen und Gruppen und lernen, wann welche Übungen sinnvoll sein können. Anschließend ist Raum für freie, selbstgestaltete Arbeit, die ausführlich besprochen wird. In dieser Zeit können sich Gelegenheiten ergeben, in anderen Gruppen zu assistieren und die ersten Erfahrungen unter Supervision zu machen.
Leitung von offenen Angeboten unter Supervision
Zur Erteilung des Abschlusszertifikates sind insgesamt 30 Stunden Supervision (Live-Supervision plus Vor- und Nachbesprechung) nachzuweisen. Die Aufteilung dieser Stunden auf offene Wochenenden, offene Abende oder selbstorganisierte Tage bleibt den TeilnehmerInnen überlassen.
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4. Element: Spirituelle Praxis
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Wir beschäftigen uns in der Fortbildung mit spiritueller Praxis und machen damit deutlich, dass die therapeutische Arbeit getragen ist von einer umfassenderen Dimension. Viele sind in einer Sinnkrise und suchen neuen Zugang zu dem, worum es eigentlich geht. Die Quelle dieses Sinns ist nicht in der äußeren Welt, sondern in uns zu finden. Deshalb schlagen wir vor, uns mit unserer inneren Welt zu beschäftigen.
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Beschäftigung mit der spirituellen/transpersonalen Dimension des Lebens
Kennenlernen von Funktionsweisen und Prinzipien menschlichen Bewusstseins und deren Anwendung
Kennenlernen verschiedener spiritueller Praxisformen
Kennenlernen verschiedener Formen von Meditation (Zen/Vipassana, geführte Meditationen, Yoga etc.)
Ritualarbeit, Arbeit mit Texten, Video- und Audiokassetten
Umfang:
1. Jahr: 30 Stunden
2. Jahr: 30 Stunden
3. Jahr: 30 Stunden
Summe: 90 Stunden
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Heilung durch Sinnfindung
Das ist in unserer Kultur nicht so leicht, da der Fokus so sehr auf die Manipulation der äußeren Welt gerichtet wird, dass manche sogar an der Existenz einer inneren Welt zweifeln. Der Zugang zu unserer inneren Weisheit kann durch bestimmte Übungen (wieder) eröffnet werden. Durch diese Öffnung wird es möglich, die Verbundenheit wieder zu erleben. Wir sehen therapeutisches Handeln eingebettet in einen größeren Prozess von Wachstum und Entwicklung, der über individuelles Bemühen von TherapeutInnen und der individuellen Thematik von KlientInnen hinausgeht.
Es geht uns nicht darum, eine bestimmte religiöse Weltanschauung zu kultivieren, sondern wir wollen die persönliche und gemeinsame Auseinandersetzung der FortbildungsteilnehmerInnen mit dem Thema fördern. Wir wollen die spirituelle Praxis verschiedener Traditionen kennenlernen und in der Gruppe üben (z.B. Yoga, Zazen, Vipassana, Mantra-Meditation, Medizinrad-Rituale, Formen christlicher Mystik und weiblicher Spiritualität etc.).
Neben Übungen aus diesem Bereich gibt es Raum, bestimmte spirituelle Formen, Rituale, Meditationen etc. intensiver zu erleben und philosophische Hintergründe und Anschauungen kennen zu lernen und zu diskutieren. Hierbei bringen sich die TeilnehmerInnen mit ihren Erfahrungen und Interessen ein.
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Einzelsitzungen, Co-Counseling und Triaden
Neben der Fortbildung in der Gruppe besuchen die TeilnehmerInnen Einzelsitzungen bei einer/m vom Gestalt – Forum anerkannten GestalttherapeutIn. Die Einzelsitzungen dienen zwei verschiedenen Funktionen: Zum einen vertiefen und erweitern sie den therapeutischen Prozess, der in der Gruppe angeregt wurde. Zum anderen dienen sie dem Erlernen von Einzeltherapie: In regelmäßigen Abständen werden die Sitzungen methodisch nachbesprochen, so dass der eigene therapeutische Prozess in der Interaktion mit der/m TherapeutIn und deren/ dessen Interventionen dem kognitiven Verständnis zugänglich gemacht wird und ein Lernen von innen her geschehen kann.
Die Anzahl der Einzelsitzungen pro Jahr ist so gewählt, dass ca. alle zwei Wochen eine Einzelsitzung angesetzt werden kann. Begleitend über den gesamten Zeitraum der Fortbildung, bilden die TeilnehmerInnen außerhalb der Fortbildungstreffen zusätzlich spezielle therapeutische Arbeitsgruppen: in den ersten beiden Jahren ist das die Dyade des „Co-Counselings“. Co-Counseling ist eine Methode des gegenseitigen Zuhörens, die neben heilendem Effekt für beide Beteiligte zum Ziel hat, eine akzeptierend-wertschätzende therapeutische Grundhaltung einzuüben.
Im weiteren Verlauf der Fortbildung finden sog. Triadengruppen statt (mindestens drei TeilnehmerInnen). In diesen Arbeitsgruppen werden die Rollen von TherapeutIn, KlientIn und BeobachterIn selbstorganisiert gewechselt, so dass therapeutische Einzelarbeit mit kollegialer Unterstützung (Feedback und Supervision durch die BeobachterInnen) erprobt und gelernt werden kann. Die Triadengruppen können sich mit speziellen Themen und therapeutischen Aufgaben beschäftigen. Hierzu geben die FortbildungsleiterInnen Anregung.
Das Sommer-Intensiv
Ein wesentliches Element der Fortbildung ist das Sommer-Intensiv-Seminar. Dies ist ein zehn- bis zwölftägiger Kurs an einem landschaftlich schönen Ort. Die Sommer-Intensiv-Gruppen bilden sich aus TeilnehmerInnen verschiedener laufender Fortbildungsgruppen. In jedem Lehrgangsjahr werden verschiedene Termine und Veranstaltungsorte zur Wahl angeboten. Zentraler Inhalt des Seminars ist ein strukturierter und begleiteter Prozess intensiver Selbsterfahrung und ebenso intensiven Erlernens von Gestalttherapie in Einzelsitzungen. Jede/r FortbildungsteilnehmerIn begleitet als TherapeutIn für die Dauer des Kurses eine Person aus der Gruppe, mit der sie/er täglich eine Einzelsitzung hat. Diese Sitzungen werden von FortbildungskollegInnen beobachtet und unterstützt; jede zweite Sitzung findet unter Supervision durch die FortbildungsleiterInnen statt.
Darüber hinaus finden Gruppensitzungen statt (thematische Kleingruppen, Großgruppe, Männer-/Frauengruppe etc.), die z. T. auch von FortbildungsteilnehmerInnen geleitet werden.
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Beziehungsklärung mit den Eltern
Wie auch im Sommer-Intensiv kommen in diesem Seminar TeilnehmerInnen verschiedener Gruppen zusammen. Es handelt sich um einen strukturierten und sehr intensiven Prozess, der die Beziehung zu den Eltern und damit zu sich selbst heilen kann und somit völlig verändert.
Es geht darum, die Beziehung zunächst von verschiedenen Seiten her wiederzubeleben und dann abzuschließen. Dies führt zur Vertiefung des inneren Friedens und erhöhter Beziehungsfähigkeit. Die Belegung dieses Seminars wird für die Zertifizierung anerkannt und kann Einzelsitzungen im Umfang von 5 Stunden ersetzen.
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